STILE

 

Entstehung der 5 Familienstile

 

Verlässlich lässt sich die Geschichte des Taijiquan bis etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen. Damals, schrieb Qi Jiguang „Die 32 Arten der Boxformen“. Obwohl darin kein Taijquan erwähnt wurde, enthält das Buch dennoch einige Techniken und Namen für diese, die auch heute noch im Taijiquan zu finden sind.
Mitte des 17. Jahrhunderts tauchte im Dorf Chenjiagou ein Boxstil auf. Zum Ursprung des Stils gibt es verschiedene Ansichten. Der Überlieferung der Familie Chen zur Folge wurde der Stil von Chen Wangtlng aus seinen bestehenden Kenntnissen der Kampfkünste entwickelt. Wie intensiv die Einflüsse anderer Künste auf diesen Boxstil tatsächlich waren, ist nicht mehr nachzuvollziehen, oder ob Chen Wangting einen Lehrer hatte. Einer anderen Überlieferung zufolge brachte ein Reisender namens Wang Zongyue oder Jiang Fa den Stil nach Chenjiiagou. Nachdem er sich dort erfolgreich einigen Herausforderungen gestellt hatte, wurde er darum gebeten, seinen Stil zu lehren.
Fest steht, dass der Stil seit dieser Zeit zunächst als Familiengeheimnis der Familie Chen weiterentwickelt und tradiert wurde. Das Taijjquan der Chen-Familie wurde in der ersten Hälfte des 19, Jahrhundert erstmals an einen Außenstehenden weiter gegeben; Chen Changxing (1771 - 1853) akzeptierte Yang Luchan (1799 - 1872) als Schüler im inneren Kreis der Familie. Yang Luchan entwickelte das Gelernte weiter und wurde zum Begründer des Yang-Stils. Etwas später unterrichtete Chen Qingping (1795-1868) ebenfalls außerhalb der Familie Wu Yuxiang (1812 - 1880).
So wurde in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts die Grundlage für die sogenannten 5 Familienstile gelegt, benannt nach den Familiennamen der Stilbegründer. Dies sind:

  • Chen-Stil Im „alten Rahmen“ (Da Lao Jia) nach Chen Changxing (1771-1853), nach Chen Qingping im „neuen Rahmen" (Da Xin Jia) (1795-1868) oder im „kleinen Rahmen" (Xiao Jia) (~1950 Dorf Chen)
  • Yang-Stil nach Yang Luchan; im „großen Rahmen“ nach Yang Chengfu (1883 - 1938) oder im „kleinen Rahmen" nach Yang Banhou (1837 - 1932)
  • Wu/Hao-Stil nach Wu Yuxiang (1812 - 1880)
  • Wu-Stil nach Quanyou (1834-1902) und seinem Sohn Wu Jianquan (1870-1942)
  • Sun-Stil nach Sun Lutang (1861 - 1932)

Ausbreitung Im Westen

 

Im Westen wurde das Taijiquan in der Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt. Dabei tat sich insbesondere Zheng Manqing (1899 - 1974) hervor. Er war von 1928 bis 1935 ein Schüler des Yang-Stil-Meisters Yang Chengfu und entwickelte eine starkverkürzte Form in 37 Bildern. 1949 floh er nach Taiwan und ließ sich 1964 in New York nieder, wo er seine Form zu unterrichten begann.
Vermutlich ist es der Einfachheit der Kurzform und der Offenheit von Zheng Manqing zu verdanken, dass sich seine Form im ganzen Westen verbreitete und damit maßgeblich zur Ausbreitung des Taijlquan Im Westen beitrug. Dabei Ist sowohl Zheng Manqing als auch seine Form nicht unumstritten, und seine Form wird von den Vertretern des Yang-Stils nicht anerkannt.

Im Jahre 1956 wurden von offizieller Seite in der VR China die Pekingform mit 24 Bildern eingeführt. Diese Form basiert auf dem Yang-Stil. Darauf aufbauend wurde 1976 eine Form mit 48 Bildern entwickelt, in die auch Elemente anderer Stile eingebunden sind. 1989 entstand die Form mit 42 Bildern als eine neuere Wettkampfform. Sie enthält deutliche Elemente verschiedener Stile. Im gleichen Jahr wurde auch eine Wettkampfform im Yang-Stil mit 40 Bilder vorgestellt. Seit 1999 gibt es im Yang-Stil außerdem noch eine Form mit 16 und eine mit 10 Bildern